Schicksalsgefährten? Deutsche „Indianerbilder“ in der Politik, damals und heute

Die deutsche „Indianerbegeisterung“ ist ein mehr als 200 Jahre altes Phänomen. „Indianer“ symbolisieren Freiheit, Widerstand, Spiritualität und Gemeinschaft. Wegen dieser weit interpretierbaren Symbolik ist die Vorstellung von „Indianern“ in Deutschland immer wieder auch für politische Ideologie eingespannt worden. Der Vortrag untersucht, wie „Indianerbilder“ die Entstehung des deutschen Nationalismus im 19. Jh. förderten und warum Nationalsozialisten im 20. Jh. Indigene Amerikaner*innen, obwohl sie keine Weißen sind, als Vorbilder verwenden konnten. Schließlich beleuchtet er, wie „Indianerbilder“ heute in Europa als warnende Beispiele herangezogen werden, um Ängste und Vorurteile in Debatten über Migration zu schüren.

Eine Veranstaltung aus der Reihe „Wohin mit Winnetou?“.

Die Veranstaltung ist eine Selbstverpflichtungsveranstaltung im Rahmen der Initiative „die vielen“

Über den Referenten

 

Frank Usbeck hat in Leipzig und an der University of Arizona Amerikanistik, Geschichte, Journalistik und American Indian Studies studiert. Er promovierte 2010 in Leipzig und gewann mit seiner Arbeit den Rolf Kentner Dissertationspreis des Heidelberg Center for American Studies.

Zwischen 2012 und 2019 forschte er im DFG-geförderten Projekt „Selbst-Bewusste Erzählungen“ (TU Dresden/Uni Leipzig) zu Kriegsnarrativen und –trauma im Afghanistankrieg. Seit 2018 arbeitet Usbeck als Kustos bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens (SES), wo er die Amerika-Sammlungen in Leipzig und Dresden sowie die Sammlung in Herrnhut wissenschaftlich betreut. Usbecks Forschungsarbeiten untersuchen indigene Geschichte und ethnische Beziehungen in Nordamerika sowie die Wahrnehmung und Darstellung indigener Kulturen in (post)kolonialen Gesellschaften. Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liegt auf der Forschung zu indigenen Soldaten in modernen Streitkräften und zur ethnischen und sozialen Diversität in Militär und Polizei. Hierbei liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Frage, wie indigene Gruppen und ethnische Minderheiten sich selbst in einer (post)kolonialen Gesellschaft verorten und ihre Gruppenidentität gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, dem „Mainstream“, konstruieren.

Seit 2010 arbeitet Usbeck auch zur Historiografie und Geschichte der Ethnologie, zur Geschichte von Museen und Gedenkstätten, sowie zur Erinnerungskultur in Nordamerika und Deutschland. Weitere Forschungsinteressen liegen in der Medien- und Kulturgeschichte sowie in kulturellen Repräsentationen von Gewalterfahrung und Trauma bzw. in den Wechselbeziehungen von Schulmedizin und alternativen (indigenen) Heilmethoden in der Traumaforschung.

Zur Veranstaltungsreihe

Wohin mit Winnetou?

Museen mit ethnografischen Sammlungen haben eine lange, komplizierte und gewaltbelastete Beziehung zum Sammeln und Ausstellen von Objekten von Native Americans, Alaska Natives, Inuit, Métis und First Nations Angehörigen .

Deutschsprachige Museen stehen zudem vor eine weiteren Herausforderung: Wie gehen wir mit dem um, was der Amerikanist/Kanadist Hartmut Lutz als deutsche „Indianertümelei“ bezeichnet? Der Begriff umschreibt die Faszination von sowie Fantasien über die Erstbewohner*innen des heutigen Kanada und der USA, die sich in romantisierten Vorstellungen einer imaginierten Vergangenheit zusammenfinden. Bekannte Ausdrucksformen dessen sind beispielsweise die Karl May-Bücher, die Trickfilmreihe Yakari oder die Festspiele in Bad Segeberg.

Vor diesem Hintergrund wirft das MARKK ab Sommer 2020 in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten unter dem Titel „Amerikaner*innen“ einen Blick auf spezifisch deutsche und europäische Vorstellungswelten über Native Americans.

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