Den Impuls für den Aufbau einer Sammlung jüdischer Alltags- und Zeremonialobjekte am Museum gab 1913 eine Dauerleihgabe der Gesellschaft für jüdische Volkskunde. Für zwei Jahrzehnte wurde sie als „jüdische Abteilung“ in der Dauerausstellung des Museums gezeigt und durch weitere Objekte ergänzt. Während des Nationalsozialismus wurde sie im Zuge eines Direktionswechsels 1935 entfernt. Museumseigene Objekte verschwanden im Depot und die bereits unter nationalsozialistischem Verfolgungsdruck stehende Gesellschaft für jüdische Volkskunde nahm ihre Leihgabe zurück.
Mit Ausnahme von zehn Objekten gilt die Sammlung der Gesellschaft heute als verschollen und doch steht sie im Zentrum der Ausstellung. Ergänzt wird sie durch Objekte, die im Laufe der Jahrzehnte der „jüdischen Sammlung“ des Museums zugeordnet wurden und die ebenfalls mit persönlichen Lebensgeschichten verbunden sind. Die Ausstellung präsentiert Ergebnisse der seit 2021 laufenden Provenienzforschung zu NS-Raubgut und bietet eine kritische Aufarbeitung der Rolle des Museums im Nationalsozialismus. Dabei beleuchtet sie, wie das Museum sich unter politischem Druck positionierte und wie es von den damaligen Verhältnissen profitierte.


