Plünderware aus dem Boxerkrieg? Spurensuche in der Ostasien-Sammlung

Im Museum am Rothenbaum befinden sich Bestände chinesischer Kunstwerke und Kulturgüter, die kurz nach 1900 ins Haus kamen und wahrscheinlich im Boxerkrieg 1900/1901 aus der Kaiserstadt sowie öffentlichen Einrichtungen Pekings geplündert wurden. Ihre Existenz im Museum ist der chinesischen wie auch westlichen Forschung kaum bekannt.

Bei Kriegsplünderungen geht ein Objekt oft noch innerhalb des Herkunftslandes durch mehrere Hände, bevor es ins Ausland gelangt. Daher ist eine klassische Provenienzforschung durch Rückverfolgung von Besitzern bei diesen Beständen kaum aussichtsreich. Deshalb sollen die oben genannten Objekte durch die Identifikation ihrer ursprünglichen Standorte identifiziert werden. Die Hauptfrage lautet: Welche der Objekte können sich nur im Palast oder in einer öffentlichen Einrichtung befunden haben? Bei welchen ist es entsprechend unwahrscheinlich, dass sie im fraglichen Zeitraum legal – etwa durch den chinesischen Kunsthandel an in China lebende Deutsche – abgegeben wurden? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, was der Verlust dieser Objekte für die geplünderten Institutionen und Personen einst, sowie für die Forschung seither bedeutet. Parallel zum Projektfortschritt sollen die Sammlungsstücke und das neue Kontextwissen in digitaler, möglichst auch in physischer Form wieder für die chinesische und internationale Forschung zugänglich gemacht werden.

Das Projekt hat drei Teile:
1) Rekontextualisierung von Objekten in Vorbesitzerinstitutionen;
2) Untersuchung von „Sammelstrategien“ von Kriegsteilnehmern im Gegensatz zu Residenten anhand bekannter Vorbesitzer der Hamburger Objekte;
3) Erforschung der Plünderung buddhistischer Kunst als „deutsches Spezialinteresse“.

Die Ergebnisse des Projekts werden zunächst in die geplante neue Dauerausstellung des Museums einfließen. Wenn externe Finanzierung eine zusätzliche Beschäftigung mit systematischen Fragestellungen möglich macht, sollen auch Empfehlungen für einen auf der Herkunftsinstitution basierenden Ansatz in der Provenienzerforschung kolonialer Bestände erarbeitet werden.
Das Projekt wird momentan parallel zur Abteilungsarbeit mit Eigenmitteln durchgeführt. Eine Drittmittelförderung wird angestrebt. Kooperationen mit Shanghai University und Fudan University Shanghai sind im Aufbau.

Kontakt:
Dr. Susanne Knödel
Leitung Wissenschaft / Kuratorin der Abteilung Ost- und Südasien
fon +49 40 42 88 79 – 240
mail susanne.knoedel@markk-hamburg.de

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