Jenseits von Schlangenritual und Wildwest – Aby Warburgs Pueblo-Sammlung im MARKK

Vortrag von Christine Chávez, Kuratorin Abteilung Amerikas (MARKK)

Gefäß mit Schlangendarstellungen der Warburg-Sammlung

Der berühmte Hamburger Kunst- und Kulturwissenschaftler Aby Warburg unternahm von 1895-96 eine Reise in die USA, deren bekanntestes wissenschaftliches Resultat in Warburgs Vortrag zum sogenannten „Schlangenritual“ zu finden ist. Weit weniger bekannt ist die Sammlung an Gefäßen, rituellen und alltäglichen Gegenständen verschiedener Pueblo-Gruppen aus dem Südwesten der USA, die Warburg auf seiner Reise erwarb und wenig später dem Museum schenkte. Im Rahmen eines derzeit laufenden Forschungs- und Ausstellungsprojekts zu dieser Sammlung skizziert der Vortrag deren Entstehungsgeschichte, beleuchtet problematische Aspekte und berichtet über die geplante Ausstellungskooperation mit Hopi-Expert*innen.

Eintritt

frei

Zur Veranstaltungsreihe "Wohin mit Winnetou?"

Museen mit ethnografischen Sammlungen haben eine lange, komplizierte Beziehung zum Sammeln und Ausstellen von Objekten von Native Americans, Alaska Natives, Inuit, Métis und First Nations Angehörigen. Dabei haben die Museen oft von gewaltbelasteten Beziehungen profitiert.

Deutschsprachige Museen stehen zudem vor eine weiteren Herausforderung: Wie gehen wir mit dem um, was der Amerikanist/Kanadist Hartmut Lutz als deutsche „Indianertümelei“ bezeichnet? Der Begriff umschreibt die klischeebeladene, gerade in Deutschland verbreitete Faszination für Erstbewohner*innen des heutigen Kanada und der USA. Diese romantisierten Vorstellungen und Fantasien über eine teils imaginierte Vergangenheit haben sich in vielen Bereichen der Unterhaltungskultur niedergeschlagen und spiegeln sich in historischen und gegenwärtigen Formaten, wie etwa den Karl May-Büchern, der Trickfilmreihe Yakari oder den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

Vor diesem Hintergrund wirft das MARKK ab Sommer 2020 in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in der Reihe „Wohin mit Winnetou?“ einen Blick auf spezifisch deutsche und europäische Vorstellungswelten über Native Americans und gibt aber auch umgekehrt Perspektiven von Native Americans auf dieses Phänomen Raum und Stimme.

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