Reaktionen aus „Native America“ auf deutsche „Indianertümelei“

Vortrag von Hartmut Lutz

Dass es in Deutschland seit über hundert Jahren eine weit verbreitete Begeisterung für „Indianer” gibt, ist vielen Native Americans, Métis und First Nations Angehörigen durchaus bewusst, und Bildende Künstler*innen, Tänzer*innen, Aktivist*innen und Geschäftsleute nutzen erfolgreich die Deutsche „Indianertümelei“ als Vermarktungschance. In ihren Werken setzen sich Kulturschaffende aus „Native America“ kritisch und oft auch humorvoll mit deutschen Klischees auseinander und berichten ihrerseits Erstaunliches über uns. Basierend auf literarischen und visuellen Darstellungen und seinen Interviews mit Künstler*innen, Intellektuellen und Deutschlandreisenden stellt der Vortragende ihre Ansichten über Deutschland und seine Menschen vor.

Über den Referenten

Hartmut Lutz, geboren 1945 in Rendsburg, Schleswig-Holstein, betreute behinderte Jugendliche in England und Schweden und studierte dann an der PH Kiel (Lehrerprüfung 1969). Er promovierte 1975 in Tübingen in Anglistik, Amerikanistik und Pädagogik über Psychoanalyse und Literatur und habilitierte 1982 in Osnabrück über Indianervorstellungen in amerikanischer und deutscher Literatur. Er lehrte an den Universitäten Köln, Osnabrück, Greifswald und Szczecin sowie in Kanada, den USA und dem europäischen Ausland. Neben seiner grundständigen Lehre in Amerikanistik/Kanadistik veröffentlichte er zu Indigenen Literaturen Nordamerikas, seinem lebenslangen Spezialgebiet.

Zur Veranstaltungsreihe "Wohin mit Winnetou?"

Museen mit ethnografischen Sammlungen haben eine lange, komplizierte Beziehung zum Sammeln und Ausstellen von Objekten von Native Americans, Alaska Natives, Inuit, Métis und First Nations Angehörigen. Dabei haben die Museen oft von gewaltbelasteten Beziehungen profitiert.

Deutschsprachige Museen stehen zudem vor eine weiteren Herausforderung: Wie gehen wir mit dem um, was der Amerikanist/Kanadist Hartmut Lutz als deutsche „Indianertümelei“ bezeichnet? Der Begriff umschreibt die klischeebeladene, gerade in Deutschland verbreitete Faszination für Erstbewohner*innen des heutigen Kanada und der USA. Diese romantisierten Vorstellungen und Fantasien über eine teils imaginierte Vergangenheit haben sich in vielen Bereichen der Unterhaltungskultur niedergeschlagen und spiegeln sich in historischen und gegenwärtigen Formaten, wie etwa den Karl May-Büchern, der Trickfilmreihe Yakari oder den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

Vor diesem Hintergrund wirft das MARKK ab Sommer 2020 in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in der Reihe „Wohin mit Winnetou?“ einen Blick auf spezifisch deutsche und europäische Vorstellungswelten über Native Americans und gibt aber auch umgekehrt Perspektiven von Native Americans auf dieses Phänomen Raum und Stimme.

Kosten

Der Vortrag ist kostenfrei.

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