Provenienzforschung

Die erste Reise der Hamburger Südsee-Expedition 1908/1909: Kolonialer Erwerbungskontext der ethnografischen Sammlungen

Stehende Figur, Holz, Muschel, Farbe, frühes 20. Jh.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Provenienzen und kolonialen Verflechtungen von Beständen aus Papua-Neuguinea, die während des ersten Jahres der Hamburger Südsee-Expedition zwischen 1908 und 1909 für das damalige Hamburger Museum für Völkerkunde (heute MARKK) angeeignet wurden. Ziel des Projektes ist unter anderem, dem kolonialen Kontext in seiner Komplexität nachzuspüren und neue Perspektiven für einen weiteren Umgang mit den Beständen zu entwickeln.

Neben dem Anlegen von Sammlungen für das Museum verfolgte die Hamburger Südsee-Expedition, die von 1908 bis 1910 stattfand und von der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung maßgeblich finanziert wurde, koloniale Interessen zur Erschließung von Gebieten in Ozeanien. Übergriffige und gewaltvolle Vorgehensweisen von Expeditionsteilnehmer:innen, begleitet von einer sogenannten „Polizeischutztruppe“, zeugen von einer ausbeuterischen und in einem Machtungleichgewicht stehenden kolonialzeitlichen Wissensproduktion. Diese Verflechtung kolonialpolitischer und wissenschaftlicher Interessen prägte die Expedition in hohem Maße und spielte daher auch in Hinblick auf das massive „Sammeln“ eine wichtige Rolle.

Im Rahmen des zweijährigen Forschungsprojekts soll gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der University of Papua New Guinea in Port Moresby und dem Papua New Guinea National Museum & Art Gallery die im MARKK vorhandene historische Dokumentation zu den Objekten kulturell verortet und anhand von oralen Überlieferungen perspektivisch erweitert und hinterfragt werden. In Zusammenarbeit mit Vertreter:innen der Nachfahrengesellschaften soll dabei Verdachtsmomenten illegitimen Erwerbs nachgegangen werden.

Im ersten Projektjahr werden die Objektbestände und das Schriftgutarchiv des MARKK sowie die Nachlässe der an der Expedition beteiligten Akteure untersucht. Im zweiten Projektjahr sollen Partner:innen aus Papua-Neuguinea über einen mehrwöchigen Zeitraum nach Hamburg reisen, um vor Ort die Ozeanien-Sammlungen des MARKK zu untersuchen. Gemeinsam sollen Forschungsergebnisse zusammengeführt und neuentstandene Erkenntnisse weiterverfolgt werden.

Abschließend werden die Informationen rund um den Bestand für die Öffentlichkeit aufbereitet, um sie über Deutschland hinaus vor allem auch in Papua-Neuguinea zugänglich zu machen. Die Forschungsergebnisse werden in einer Publikation sowie in verschiedenen Online-Portalen der kolonialen Provenienzforschung festgehalten und schließlich in die geplante neue Dauerausstellung des MARKK einfließen.

Projektlaufzeit: 1. Juli 2023 bis 30. Juni 2025

Kontakt:
Jasmin Günther
+49 (0)40/428 879 534
jasmin.guenther@markk-hamburg.de

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