Provenienz-Forschung

Provenienzforschung zu NS-Raubgut im Museum am Rothenbaum: Erste systematische Überprüfung ausgewählter Bestände

Silberobjekte und Karteikarte

Mit diesem Forschungsprojekt beginnt nun auch das MARKK mit einer systematischen Überprüfung seiner Bestände auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut. Dies bedeutet, dass Museumsbestände auf einen möglichen Erwerbskontext oder Besitzwechsel zwischen 1933 und 1945 hin untersucht werden, nachdem ihre eigentlichen Besitzer:innen infolge von nationalsozialistischer Entrechtung und Verfolgung diese Gegenstände gezwungenermaßen abgeben, veräußern oder zurücklassen mussten. Betroffen waren neben Einzelpersonen auch Einrichtungen und Institutionen.

Inhalt dieses Provenienzforschungsprojekts ist die Überprüfung der Bestandsgruppen Objektüberweisungen öffentlicher Einrichtungen nach 1945 und Judaica-Objekte sowie die Klärung des Besitzstatusses bereits identifizierter Einzelkonvolute. Untersucht werden jeweils Sammlungs- und Erwerbsgeschichte sowie bei einzelnen Objekten Objektgeschichte und spezifische Provenienzmerkmale.

Die Bestandseingrenzung basiert auf bereits als verdächtig bekannten bzw. in der jüngeren laufenden Arbeit als betroffen erkannten Beständen. So befinden sich unter den Überweisungen auch im MARKK Silberobjekte aus jüdischem Besitz, die 1939 in Hamburg zwangsabgegeben werden mussten. Sie wurden 1961 von der Hamburger Finanzbehörde als Restbestand an verschiedene Hamburger Museen überwiesen und sind im MARKK heute der Europa- und der Amerika-Abteilung zugeordnet.

Die in der Sammlung befindlichen Judaica-Objekte werden auf ihren Eingangsstatus wie Ankauf, Schenkung, Leihgabe etc. sowie Vorbesitzer:innen und Überbringer:innen hin überprüft.

Identifizierte Verdachtsfälle sollen im Rahmen des Projekts auf Grundlage von Akten und weiterer Dokumentation eindeutig belegt werden. Für Silber- bzw. Judaicaobjekte sowie ethnographische Einzelobjekte ist zudem eine Dokumentation und Erforschung spezifischer und projektrelevanter Provenienzmerkmale vorgesehen. Auch diese Befunde sollen im Rahmen der Untersuchung eindeutig dokumentiert und belegt werden.

Die Ergebnisse des Projekts sollen über die museumseigene Website, im Rahmen der sukzessiven Onlinestellung der Sammlungen sowie in einer Ergebnispräsentation mit öffentlichem Vortrag veröffentlicht werden.

Kontakt:
Jana C. Reimer
Provenienzforschung NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
fon +49(0)40/428 879–551
mail janacaroline.reimer@markk-hamburg.de

Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste

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