Playing Indian

Fachtag für Pädagog*innen, Lehrpersonal und Museumsvermittler*innen und alle Interessierten

Museum am Rothenbaum - Gebäudeansicht

Die Arbeit von Erzieher*innen, Kultur/Museumsvermittler*innen, Lehrer*innen und Pädagog*innen im deutschsprachigen Raum wird nach wie vor von stereotypen Vorstellungen über Native Americans / First Nations berührt: Seien es die Kostümierungen zu Karnevalszeiten in Kindergärten und Schulen, ältere literarische Werke wie „Lederstrumpf“ und die Winnetou-Bücher, gegenwärtige Medienproduktionen wie die Yakari-Trickfilme oder Besuche der Karl-May-Festspiele: All diese Praktiken und Vorstellungen hinterlassen Spuren in der Bildungsarbeit. Damit verbundene Klischees werden in den letzten Jahren vermehrt hinterfragt und kritisiert – und mit den so aufkommenden gesellschaftlichen Diskursen entstehen neue Herausforderungen für die Bildungsarbeit in Museum, aber auch in den Kindergärten und Schulen.

Unter dem Titel „Playing Indian“ („Indianer spielen“), entliehen von dem gleichnamigen Buchklassiker des US-amerikanischen Autors und Dakota Philip J. Deloria, wird ein Fachtag angeboten, der sich an Pädagog*innen, Lehrer*innen, Museumsvermittler*innen und Erzieher*innen richtet. Der Termin verfolgt drei konkrete Zielsetzungen: Er klärt über die Wurzeln der „Indianerbegeisterung“ in Deutschland auf, um Phänomene wie die heutige Karnevalskostümierung besser einordnen zu können. Die Teilnehmenden werden an diversitätssensible Perspektiven im Sinne einer dekolonialen Pädagogik herangeführt und können unter fachkundiger Anleitung neue, zeitgemäße Handlungsmöglichkeiten für ihre Arbeitspraxis entwerfen.

Mit freundlicher Unterstützung der Dürr-Stiftung.
In Kooperation mit dem Museumsdienst Hamburg.

Programm

9-17 Uhr | Bücherstand
Von Kinderbüchern bis zu englischsprachigen Fachpublikationen: Wir legen eine Auswahl von Büchern zum Schmökern, zur Inspiration und zur Wissensvermittlung bereit.
Ein Teil der Bücher wird über unseren Shop erhältlich sein.

9-9.30 Uhr | Registrierung
Bitte bringen Sie Ihre Anmeldebestätigung mit.

Teil I: Kurzvorträge 9.30 Uhr – 11 Uhr

Herzlich Willkommen zum Fachtag „Playing Indian“.

Begrüßung: Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin MARKK
Mit kurzen Beiträgen (ca. 10 min) führen wir in die Inhalte des Fachtags ein.
Moderation: Christine Chavéz, Kuratorin der Abteilung Amerika, MARKK

„Indianer“ – eine Erfindung des weißen Manns?
Hartmut Lutz, Professor der Amerikanistik/Kanadistik
Wir starten mit einem Beitrag von Hartmut Lutz: Wie kommt es überhaupt zu den Vorstellungen über „Indianer“ im deutschsprachigen Raum? Hartmuth Lutz beschreibt die Hintergründe der Stereotype zu „Native America“.

Was Natives tun und warum es wichtig ist
Red Haircrow, Schriftsteller, Pädagoge, Psychologe und Filmemacher
Stereotypen und Falschdarstellungen bezüglich Native Americans werden oft als eine Nische, als weniger schädliches Thema angesehen, obwohl sie eindeutig im Kolonialismus verwurzelt sind und eine zeitgenössische Form des Rassismus darstellen. Warum werden solche Praktiken immer noch in den Klassenzimmern gelehrt, und was sind die Auswirkungen in den betreffenden Communities und der westlichen Gesellschaft insgesamt?

Dekoloniale Pädagogik: Erzählungen und Fantasien über die Erstbewohner*innen der Amerikas dekonstruieren
Olenka Bordo Benavides, RAA Berlin
Anlauf- und Fachstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen und Kitas in Friedrichshain-Kreuzberg
Welche Inhalte werden in Angeboten und didaktischen Materialien in Bildungseinrichtungen weitergegeben? Welche Weltsicht wird dabei vermittelt? Wie sind Kolonialität und Rassismus in pädagogischen Inhalten verankert? Eine rassismuskritische Betrachtung der Geschichtserzählung in Bildungseinrichtungen, ihrer gesellschaftlichen Wirkung und des Einflusses auf das Wissensrepertoire von jungen Menschen.

Vorabreflexion: Kolonialismus, Repräsentation(en), Stereotypen versus gute Bilder, Authentizität
PD Dr. Sabine N. Meyer
Mein Input-Statement möchte ich zur Klärung von Grundbegriffen bzw. Konzepten nutzen, die für das Verständnis von „Indianer“-Darstellungen und für eine dekoloniale Pädagogik zentral sind. Was meinen wir, wenn wir von Kolonialismus sprechen? Was genau sind Repräsentationen und welche Rolle spielen sie im Machtfeld Kolonialismus? Und schließlich: welchen Beitrag leisten Bilder – schlechte aber auch gute – in der (post)kolonialen Praxis und kann ein Streben nach Authentizität eine Lösung sein?

Vermittlungsarbeit im Museum: Zum Umgang mit Stereotypen
June Lamadjido, Kuratorin für Vermittlungsarbeit MARKK

Weitere Informationen folgen

11 Uhr | Kaffeepause

Teil II : Workshops und Gespräche 11.30 – 13.30 Uhr 

Die Sache mit dem Kolonialismus
Workshop mit Olenka Bordo Benavides, RAA Berlin
Wie und was wird über die Erstbewohner*innen der Amerikas erzählt? Welche Wissensinhalte und Identifikationsmöglichkeiten werden hierbei angeboten? Wie wird Gleichberechtigung vermittelt? Im Workshop werden wir uns mit den Konzepten Kolonialität und Rassismus beschäftigen. Anhand von Beispielen dekolonialer, pädagogischer Praxen, die alternative Wissenszugänge bieten, gehen wir der Frage nach: Wie kann eine diskriminierungskritische Handlung unter Einbeziehung von dekolonialem Wissen geschehen?

Vermittlungsarbeit im Museum: Blick zurück nach vorn (Teil 1)
Stephanie Endter ( Leitung Vermittlungsarbeit Weltkulturenmuseum Frankfurt) und June Lamadjido (Kuratorin für Vermittlung, MARKK)
Vermittlungsstrategien mit dekolonisierender Perspektive
Kolonialismus ist kein Thema der Vergangenheit. Es ist wichtig, koloniale Kontinuitäten zu hinterfragen und über die Verstricktheit der eigenen Vermittlungsarbeit in Kolonialität zu reflektieren. Diese Arbeit ist ein Prozess, der viel Zeit benötigt, denn es geht nicht darum, das eine „Wissen“ durch ein anderes zu ersetzen, sondern historische Kontinuitäten zu befragen, weiße Kategorien, Blicke und Wissensproduktionen zu erkennen und an der eigenen Haltung und Positionierung zu arbeiten. Bei dem Workshop „Blick zurück nach vorn“ reflektieren wir gemeinsam die Ausstellung „Indianer Nordamerikas. Eine Spurensuche“ die von Dezember 2008 – Juni 2020 im MARKK zu sehen war. Anhand einer Fotodokumentation werden Präsentation, Repräsentation, Sprache und Wirkung analysiert und mögliche alternative Vermittlungsstrategien diskutiert.
Zu Beginn des Workshops werden post-koloniale Kritiken auf stereotypisierende Bilder vorgestellt. Im zweiten Teil stehen die Erfahrungen der Teilnehmer*innen im Mittelpunkt und im letzten Teil arbeiten alle Teilnehmer*innen in Kleingruppen mit Dokumentationsbildern der abgebauten Ausstellung „Indianer Nordamerikas – Eine Spurensuche“, um mögliche kritische Vermittlungsansätze zu konzipieren. Die Ergebnisse werden im Anschluss gemeinsam besprochen.

Kinder lernen mehr, als du unterrichtest
Workshop mit Red Haircrow
Der Workshop wird sich auf die Ursprünge und Auswirkungen von Stereotypen in Bezug auf amerikanische Ersteinwohner*innen konzentrieren und Berichte aus unserer Forschung, die Originalstudie der American Psychological Association (2005) und eine umfangreiche Folgestudie im Jahr 2019 umfassen. Wir werden untersuchen, wie die revisionistische Geschichte und der Eurozentrismus die Zunahme von normalisiertem Rassismus, weißer Vorherrschaftsideologie und/oder Apathie direkt beeinflusst haben. Wir werden Begriffe wie inhärente Voreingenommenheit, „Farbenblindheit“ und Privilegien der Weißen in Betracht ziehen, die den Widerstand gegen Veränderungen erhöhen und Diskriminierung, Engstirnigkeit und Ungleichheit unterstützen. Sowohl subtile als auch direkte Typen. Wir werden erörtern, wie echte Inklusion und Vielfalt aussieht, welche Rolle die Bildung bei der Entkolonialisierung und der restaurativen Gerechtigkeit spielt und warum ihre unerlässlichen Veränderungen für eine bessere Zukunft für alle Kinder sofort beginnen. Wir werden zusammen Auszüge aus dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Vergessen Sie Winnetou! Loving in the Wrong Way“ sehen, der für Kommentare offen sein wird.

13.30 Uhr | Mittagspause

Teil III: Workshops und Gespräche 14.30-16 Uhr

 

Der Fluch des positiven Bildes: „Indianer“-Darstellungen in Yakari
PD Dr. Sabine N. Meyer
In diesem Workshop widme ich der Comicfigur Yakari, die seit ihrer Erfindung im Jahre 1973 zu einer festen Größe der nationalen und internationalen Populärkultur aufstieg, in fast jedem deutschen Kinderzimmer heimisch ist und somit maßgeblich zur kindlichen Vorstellung über „Indianer“ beiträgt. Der Workshop beginnt mit einem Vortrag, der „Indianer“-Darstellungen in Yakari anhand einer eingehenden Analyse ausgewählter Panels bzw. Filmausschnitte kritisch diskutiert. Im Anschluss stellen wir im offenen Austausch praktische Überlegungen an, wie wir als Eltern, Pädagog*innen und Museumsvermittler*innen mit populärkulturellen Phänomenen wie Yakari umgehen können.

Vermittlungsarbeit im Museum: Blick zurück nach vorn (Teil 2)
Stephanie Endter ( Leitung Vermittlungsarbeit Weltkulturenmuseum Frankfurt) und June Lamadjido (Kuratorin für Vermittlung, MARKK)
Vermittlungsstrategien mit dekolonisierender Perspektive

Rassismuskritische Praxisreflektion
Zami Khalil
In diesem Workshop wollen wir aus rassismuskritischer Perspektive ausgewählte Beispiele aus der Arbeitspraxis der Teilnehmenden reflektieren. Unter Bezugnahme von Methoden der politischen Bildungsarbeit sollen mögliche Handlungsräume und -optionen der Teilnehmenden diskutiert, reflektiert und erweitert werden.

 

Teil IV: Books + Coffee

Beim gemeinsamen Abschlusskaffee (oder Tee) werfen wir einen Blick auf die Literaturen.

16.15 – 16.45 Uhr

Books + Coffee 1: Kinderbücher rund um Native America

Books + Coffee 2: Fachliteratur (vorrangig englischsprachig) zu „Native America“ und
„Indianertümelei“

Über die Referent*innen

Olenka Bordo Benavides, RAA Berlin
Die Sozialwissenschaftlerin Olenka Bordo Benavides lebt in Berlin und ist Pädagogin, Sozialwissenschaftlerin und Mutter. Sie arbeitet im Bildungsbereich und ist als Dozentin und Teamerin tätig, sowie als Externe Evaluatorin zum Berliner Bildungsprogramm. Ihre Schwerpunkte sind Bildung, Care, Dekolonialität, Empowerment, Diskriminierungs- und Rassismuskritik, Gender, Identität, Inklusion und Transnationalität.

Red Haircrow
Red Haircrow ist Schriftsteller, Pädagoge, Psychologe und Filmemacher afroamerikanischer und Native American (Chiricahua-Apache/Cherokee) Herkunft. Sie haben einen Bachelor of Science in Psychologie und einen Master in Native American Studies von der University of Montana, und ihre Arbeit wurde in Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen auf der ganzen Welt vorgestellt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören intergenerationelles historisches Trauma, Autistic Spectrum Disorder, GLBTIIQ-Bedürfnisse und Suizidprävention. Zu den aktuellen Projekten gehören ein pädagogisches RPG-Abenteuer-Videospiel, das sich auf Indigene Gruppen konzentriert, die Fortsetzung der Forschung über Stigmatisierung und Vorurteile im Zusammenhang mit psychischen Störungen und Zuständen wie ASD und die Kurzdokumentation zu diesen Themen: ALMOST.

Stephanie Endter
ist Kunst-/Kulturvermittlerin und Kuratorin. Sie studierte Fotografie am Reading Collage of Art and Design in England und absolvierte den Masterlehrgang ecm – educating/curating/managing an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Sie arbeitete als freischaffende Fotografin in Berlin, kuratierte internationale Ausstellungen und leitete transdisziplinäre Workshops und Seminare in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Seit 2011 leitet sie die Bildung und Vermittlung am Frankfurter Weltkulturen Museum. Hierbei setzt sie den Schwerpunkt auf eine rassismuskritische, selbstreflexive und multiperspektivische Praxis.

Zami Khalil
Zami Khalil ist Psychologe (M.Sc.). Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den psychopathologischen Folgen von Rassismus für Schwarze Menschen und People of Color in Deutschland. Er ist zudem als Referent in der politischen Bildungsarbeit in den Bereichen Rassismuskritik, Antidiskriminierung und Empowerment aktiv.

Rilando June Lamadjido
Rilando June Lamadjido ist seit April 2020 als Kuratorin für Vermittlung, Bildung und Publikumsarbeit am MARKK tätig. An der ZHdK schließt sie neben ihrer Tätigkeit in Hamburg ihr Master-Studium im „Curatorial Studies-MA“ ab. Ihre kuratorische Arbeit bzw. Vermittlungsarbeit war in den letzten zwei Jahren am Museum für Gestaltung Zürich zu sehen, unter anderem mit der Co-Kuration der Ausstellung „UNLABEL – Mode jenseits von Kategorien“. Im gleichen Museum konzipierte sie das Vermittlungsangebot „Off-Camera Perspektive“ zu der Ausstellung „Genesis by Sebastiao Salgado“, bei dem post-koloniale Kritik für Jugendliche zugänglich gemacht wurde. Ziel ihrer kuratorischen bzw. ihrer Vermittlungsarbeit ist die Entkolonisierung öffentlicher Institutionen

Hartmut Lutz
Hartmut Lutz, geboren 1945 in Rendsburg, Schleswig-Holstein, betreute behinderte Jugendliche in England und Schweden und studierte dann an der PH Kiel (Lehrerprüfung 1969). Er promovierte 1975 in Tübingen in Anglistik, Amerikanistik und Pädagogik über Psychoanalyse und Literatur und habilitierte 1982 in Osnabrück über Indianervorstellungen in amerikanischer und deutscher Literatur. Er lehrte an den Universitäten Köln, Osnabrück, Greifswald und Szczecin sowie in Kanada, den USA und dem europäischen Ausland. Neben seiner grundständigen Lehre in Amerikanistik/Kanadistik veröffentlichte er zu Indigenen Literaturen Nordamerikas, seinem lebenslangen Spezialgebiet.

Sabine N. Meyer
PD Dr. Sabine N. Meyer ist Kulturpolitische Koordinatorin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Weiterhin lehrt sie als Privatdozentin im Arbeitsbereich Amerikanistik/American Studies an der Universität Osnabrück, wo sie sich im Jahre 2017 habilitierte. Sie forscht unter anderem zur U.S.-amerikanischen Sozial- und Kulturgeschichte vom 18. bis 20. Jahrhundert, zur kulturellen Konstruktion und Verhandlung sozialer Kategorien wie Ethnizität, Gender und Race, zur Beziehung von Siedlern und Indigenen in Angloamerika und der Anglophonen Karibik und zur Eigen- und Fremddarstellung von Indigenen in der indigenen, amerikanischen und europäischen Literatur und Populärkultur. Zu ihren Publikationen zählen We Are What We Drink: The Temperance Battle in Minnesota (University of Illinois Press, 2015) sowie Artikel u. a. in den Zeitschriften Journal of American History, American Indian Quarterly, Law & Literature, Eighteenth-Century Studies, Literatur in Wissenschaft und Unterricht. Meyer ist ferner Mitherausgeberin der Buchreihe Routledge Research in Transnational Indigenous Perspectives und finalisiert zur Zeit ihre zweite Monografie Visions of Peoplehood: Native Writers and the Politics of Indian Removal (University of Oklahoma Press, 2021).

Kosten + Anmeldung

Kosten: 10 €.

Anmeldung bis zum 10.09.2020 unter: anmeldung@markk-hamburg.de

Bitte geben Sie Ihren Vor- und Nachnamen, Ihr gewünschtes Promonom und Ihre Telefonnummer  sowie den Namen Ihrer Firma/Organsiation an.
Bitte teilen Sie uns  Ihre Wunschworkshops in den Programmpunkten II und III mit.
Der Workshop „Vermittlungsarbeit im Museum“ ist zweigeteilt. Wer ihn in Block II belegt, muss ihn auch in Block III belegen.

Bitte beachten Sie, dass die Anmeldung erst mit einer Anmeldebestätigung gültig wird.
Die Zuteilung zu den Workshops erhalten Sie einige Tage vor dem Fachtag. Wir versuchen, Ihre Wünsche zu berücksichtigen, können das im Vorfeld aber nicht garantieren.

Zur Veranstaltungsreihe "Wohin mit Winnetou?"

Museen mit ethnografischen Sammlungen haben eine lange, komplizierte Beziehung zum Sammeln und Ausstellen von Objekten von Native Americans, Alaska Natives, Inuit, Métis und First Nations Angehörigen. Dabei haben die Museen oft von gewaltbelasteten Beziehungen profitiert. Deutschsprachige Museen stehen zudem vor eine weiteren Herausforderung: Wie gehen wir mit dem um, was der Amerikanist/Kanadist Hartmut Lutz als deutsche „Indianertümelei“ bezeichnet? Der Begriff umschreibt die klischeebeladene, gerade in Deutschland verbreitete Faszination für Erstbewohner*innen des heutigen Kanada und der USA. Diese romantisierten Vorstellungen und Fantasien über eine teils imaginierte Vergangenheit haben sich in vielen Bereichen der Unterhaltungskultur niedergeschlagen und spiegeln sich in historischen und gegenwärtigen Formaten, wie etwa den Karl May-Büchern, der Trickfilmreihe Yakari oder den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

Vor diesem Hintergrund wirft das MARKK ab Sommer 2020 in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in der Reihe „Wohin mit Winnetou?“ einen Blick auf spezifisch deutsche und europäische Vorstellungswelten über Native Americans, gibt aber auch Perspektiven von Native Americans auf dieses Phänomen Raum und Stimme.

Tipp:

19 Uhr: Öffentlicher Vortrag
Reaktionen aus „Native America“ auf deutsche Indianertümelei“
Vortrag von Hartmut Lutz
Dass es in Deutschland seit über hundert Jahren eine weit verbreitete Begeisterung für „Indianer” gibt, ist vielen Native Americans, Métis und First Nations Angehörigen durchaus bewusst, und Bildende Künstler*innen, Tänzer*innen, Aktivist*innen und Geschäftsleute nutzen erfolgreich die Deutsche „Indianertümelei“ als Vermarktungschance. In ihren Werken setzen sich Kulturschaffende aus „Native America“ kritisch und oft auch humorvoll mit deutschen Klischees auseinander und berichten ihrerseits Erstaunliches über uns. Basierend auf literarischen und visuellen Darstellungen und seinen Interviews mit Künstler*innen, Intellektuellen und Deutschlandreisenden stellt der Vortragende ihre Ansichten über Deutschland und seine Menschen vor.

Infos und Anmeldung zum Vortrag

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